Rezensionen

Rezension „Entführt – Bis du mich liebst“ von Mila Olson

Entführt – Bis du mich liebst* von Mila Olson
CreateSpace Independent Publishing Platform – Taschenbuch – 419 Seiten
ISBN: 978-1-5197-0410-8 – 11,90 € / 2,99 € (E-Book)

Klappentext:

Nichts hasst Louisa mehr, als das Leben in dem winzigen Kaff Ash Springs, mitten in der Wüste Nevadas. Sie sehnt sich nach Spaß und Abenteuer. Als sie in den Ferien mit ihren vier Brüdern zum Campen in den Sequoia Nationalpark muss, trifft sie auf den geheimnisvollen Brendan. Ihr Schicksal nimmt eine dramatische Wende, denn Brendan ist keinesfalls zufällig am selben Ort. Akribisch hat er jeden Schritt von Louisas Entführung geplant. Er verschleppt sie in die Einsamkeit Kanadas, an einen Ort, an dem es nur Fichten, blauen Himmel, Wölfe und Hermeline gibt. Er sagt, sie wäre sein Licht in der Dunkelheit. Für Louisa beginnt eine Zeit voller Angst und Verzweiflung, in der sie immer mehr mit Brendans traumatischer Vergangenheit konfrontiert wird. Schon bald ist er für sie viel mehr als nur ihr Entführer. Mitgefühl, Zuneigung und Abhängigkeit vermischen sich und stürzen Louisa in ein tiefes Gefühlschaos. Vor allem zwei Fragen gewinnen immer mehr an Bedeutung: Darf man seinen Entführer lieben? Und wie gefährlich ist Brendan wirklich?

(Quelle: Amazon)

Cover/Gestaltung: 

Das Cover ist ganz nett, aber meiner Meinung nach nichts Besonderes. Der abgebildete Wald passt gut zur Geschichte, denn er spielt darin eine große Rolle. Das Mädchen im roten Kleid, das für mich Freiheit suggeriert, finde ich hingegen eher unpassend. Auch das Liebespärchen nimmt eigentlich schon vorweg, in welche Richtung sich das Buch entwickelt, aber da das der Klappentext auch schon tut, ist das halb so schlimm.

Meine Meinung: 

Ich habe schon sehr viel über das sogenannte „Stockholm-Syndrom“ gehört und auch Dokumentation darüber gesehen, jedoch noch nie etwas in diese Richtung gelesen. Umso gespannter war ich, ob die Autorin es hinbekommt, dass ich die Liebe zwischen Opfer und Täter trotz der moralischen Verwerflichkeit gutheiße. Im Endeffekt hat mich das Buch sehr zwiegespalten zurückgelassen.

Die Geschichte wird ausschließlich aus der Sicht von Louisa, der Protagonistin, erzählt. Man erfährt in den ersten Kapiteln sehr viel über sie selbst und ihre Lebensumstände. Ich muss sagen, dass ich sie eigentlich das ganze Buch über nicht besonders sympathisch fand, denn sie ist aufsässig und unheimlich naiv — eben typisch für eine 16-Jährige. Diese Naivität wird ihr dann auch zum Verhängnis. Mit der Zeit und eben durch ihre Entführung, legt sie diese Naivität aber großteils ab, da ihr dann erst bewusst wird, welches unmögliche Verhalten sie eigentlich an den Tag gelegt hat. Trotzdem konnte ich nicht 100%ig mit ihr warm werden.

Schlimmer war es aber für mich bei Brendan. Egal wie nett er beschrieben wurde, mir blieb immer im Hinterkopf, dass er ein unschuldiges Mädchen entführt hat. Den Grund für die Entführung fand ich auch ziemlich schwach, ich hätte mir hier wirklich mehr Kreativität seitens der Autorin gewünscht.

Ich habe mir im Nachhinein dann noch ein paar Rezensionen zu dem Buch durchgelesen und einige meinten, dass man sich auf die Geschichte einlassen und nicht zu viel ans echte Leben denken soll. Leider kann ich so etwas gar nicht trennen, und möchte ich auch nicht. Ja, es ist Fiktion, aber für mich muss der Verlauf einer Geschichte trotzdem glaubwürdig sein. Eine Liebe kann einfach nicht von jetzt auf gleich entstehen, wie das in diesem Buch für mich der Fall war. Einige andere Rezensenten fanden das allerdings sehr plausibel, was ich nicht wirklich verstehen kann.

Obwohl ich bis jetzt eigentlich fast nur Negatives aufgezählt habe, hat das Buch auch seine guten Eigenschaften. Ich fand den Schreibstil beispielsweise sehr sehr angenehm zu lesen. Auch die Spannung war immer da. Vor allem die erste Hälfte des Buches mochte ich so sehr, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen. Die Ängste und Gedanken der Protagonistin waren so toll beschrieben, dass ich mich sehr gut in sie hineinversetzen konnte. Auch hat die Autorin es geschafft, dass ich mir ein gutes Bild der Szenerie machen konnte.

Insgesamt kann man also sagen, dass die erste Hälfte wirklich toll war, das Buch aber gegen Ende hin sehr unglaubwürdig wurde. Ich konnte weder die Handlungen der Protagonistin, noch die von Brendan ganz verstehen. Was mich zum Schluss auch noch ziemlich schockiert zurückgelassen hat, war die Reaktion eines Bruders von Louisa. Genaueres müsst ihr allerdings selbst lesen.

Es gibt zu diesem Buch auch noch einen zweiten Teil, nämlich „Entführt – Bis in die dunkelste Nacht“. In diesem wird die Geschichte von Brendan erzählt und man erfährt anscheinend auch noch mehr über die Hintergründe der Entführung. Wahrscheinlich kann man diese dann besser nachvollziehen, jedoch werde ich es trotzdem nicht lesen.

Fazit:

Entführt ist ein Buch mit einer schwierigen Thematik, bei der die Meinungen sehr auseinandergehen. Für mich war es einerseits sehr fesselnd, andererseits unglaubwürdig und unverständlich, wie man sich in seinen Entführer verlieben kann. Ich kann hier wirklich nur empfehlen sich ein eigenes Bild zu machen. Wenn man nicht so sehr Realist ist, wie ich es bin (Fantasy-Genre ausgenommen), dann hat das Buch auf jeden Fall Potenzial.

Bewertung: 3/5 Sternen

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